Sie sind hier: Aktuell > Rede zum Volkstrauertag

Rede zum Volkstrauertag

19.11.2023 19:39 von FDP Gresaubach

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Volkstrauertag ist einer unserer stillen Feiertage, ein Tag des Innehaltens, der Einkehr sowie der Mahnung:
Wir gedenken der Opfer der Kriege und der Gewaltherrschaft.

Der Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge schreibt dazu:
"Als die Waffen im Mai 1945 schwiegen, war die Hoffnung groß, dass es ein langes Schweigen werden würde.
Und tatsächlich: Zu einem Krieg in Deutschland ist es seitdem nicht mehr gekommen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Deutschen die Verbrechen ihrer Geschichte anerkannt haben und ihre europäischen Nachbarn dazu bereit waren, "Schritte der Verständigung und der Versöhnung zu gehen".

Dazu maßgeblich beigetragen haben aber auch der Beitritt des ehemaligen Kriegsgegners Deutschland in die Europäische Gemeinschaft, das bis heute ein erfolgreiches Friedensprojekt ist. Kern dieses Friedensprojekt ist die deutsch-französische Versöhnung, deren Grundbaustein der Elysee-Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Frankreich ist und der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden ist.

Er ist damit älter als jede Friedensperiode zwischen den Angehörigen dieser beiden Nationen in den letzten Jahrhunderten. Der Begriff "Erbfeind" zwischen Franzosen und Deutschen gehört schon lange der Vergangenheit an.
Gerade wir im Saarland spüren täglich das Miteinander zwischen den beiden Völkern, geprägt von Harmonie, sei es bei der täglichen Arbeit und auch im Zusammensein.

Die Grenzen zwischen vielen europäischen Nationen sind gefallen. Dass dies nicht immer nur Positives mit sich bringt, wissen wir auch alle nur zu gut. Aber wir wissen auch, wo Licht ist, ist auch Schatten. Ein guter Frieden ist ein solcher, der lange hält. Doch es braucht mehr als die Abwesenheit von Krieg, um Frieden zu leben.

Tagtäglich sehen wir die Nachrichten und hier insbesondere die Kriegsmeldungen: aus der Ukraine, aus Israel, aus Palästina sowie vielen weiteren Ländern. Dies alles -aber auch die gesellschaftliche Entwicklung in unserem Land- machen mich ängstlich und unsicher. Und wenn ein Deutscher Verteidigungsminister dann fordert: Deutschland müsse "Kriegstauglich" werden, dann bestärkt dies unsere Angst und Unsicherheit noch dazu.

Erste Konsequenz aus dieser Meldung wäre ja dann, dass dieses Ministerium nicht mehr Ministerium der Verteidigung, sondern Kriegsministerium heißen müsste. Gerade der Krieg in der Ukraine zeigt uns, wie nah wir am Geschehen sind. Nur noch wenige 100 Kilometer trennen uns von den Kriegsgebieten.

Wir wollen deshalb jetzt und in dieser Stunde auch an die Menschen in der Ukraine denken- gemeinsam mit den Opfern von Krieg und Gewalt auf der ganzen Welt. Das Leid, egal wo auf der Welt, ist niemals relativ, sondern immer absolut. Wir trauern gleichermaßen um jeden und jede Einzelne. Damit verdeutlichen wir auch, dass der Tod eines Menschen immer etwas Endgültiges ist und niemals rückgängig gemacht werden kann. Gleichwohl hat er auch immer eine Bedeutung für die Nachwelt.

Für uns Deutsche bedeutet es, dass unser Totengedenken mit Bezug zu den Weltkriegen eine Mahnung ist. Die Toten- und die Namen unserer Gresaubacher Kriegsopfer stehen ja auf unserem Ehrenmal- die vergangenen wie auch der aktuellen Kriege- zeigen uns, wie fragil der europäische Frieden ist und wie wichtig es ist, sich aktiv gemeinsam für Frieden zu engagieren, Vorurteile abzubauen und freiheitliche und menschenwürdige Lebensbedingungen dort zu erwirken, wo es sie nicht gibt, und dort zu verteidigen, wo diese in Frage gestellt werden.

In einer Fürbitte zum Volkstrauertag heißt es:

"Gnädiger Gott, wir haben eine Zukunft,
wir hören nicht auf zu hoffen,
dass es eine Zukunft in Frieden ist.
Hilf uns, mit der nächsten Generation im Gespräch zu bleiben,
wecke die Aufmerksamkeit und Interesse
bei den jungen Menschen,
Lass uns unsere Erfahrungen teilen,
unsere Geschichten erzählen
und sei mit dem Geist des Friedens unter uns."

Deshalb möchte ich schließen mit der letzten Passage des Totengedenkens, dass wir anschließend am Ehrenmal hören werden:

"Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung
auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern,
und unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den
Menschen zu Hause und in der ganzen Welt"

Ich danke Ihnen!

Zurück